Gabelölwechsel

Warum Gabelöl wechseln?

Laut Wartungsplan ist die Vorder- und Hinterradfederung alle 12.000 km zu prüfen und ggf. einzustellen bzw. auszuwechseln. Insbesondere bei härterer Beanspruchung (Fernreisen mit hohem Offroadanteil, Wettbewerbseinsätze, ...) sollte das Gabelöl nach meiner Erfahrung mindestens alle zwei Jahre bzw. 20.000 km gewechselt werden. Auch beim Einbau von Zubehör Gabelfedern empfielt sich der Wechsel des Öls gemäß den Angaben des Herstelles der Gabelfedern. Nur nebenbei erwähnt: alle progessiven Gabelfedern sind besser als das Honda-Original und die Auswahl des Herstellers aus Wilbers Technoflex (baugleich: Polo HiQ), WhitePower (baugleich: Baehr), Oehlins, Wirth eine einfache Frage des Geschmacks und des Geldbeutels.

Vorbereitende Arbeiten

Zunächst gilt es einen sicheren Stand für die Maschine zu finden. Und zwar so, das mindestens das Vorderrad freisteht. Einfacher noch, wenn beide Räder in der Luft sind. Wer über keinen Montageständer verfügt, sollte einen leeren Wasserkasten umdrehen, die Maschine über den Seitenständer nach links kippen und den Wasserkasten mittig unter den Rahmenunterzügen platzieren. Mit etwas Austarieren steht die Transalp damit 1A!

Entleeren der Gabel

Wer eine PD06 bis Bj.96 sein Eigen nennt, hat einen kleinen Vorteil. An der hinteren Seite der Gabel ist je Holm eine kleine 10er Schraube, über die das Gabelöl abgelassen werden kann. PD10 Besitzer, die über handwerkliches Geschick verfügen, können an den verbliebenen Gußansätzen der Öffnung ein Loch bohren, Gewinde einschneiden und sich die Ablaßöffnung nachrüsten. Achtung: wer hier nicht weiß, was er tut, zerstört das komplette Tauchrohr!

Gründlicher und für die PD10 grundsätzlich notwendig ist das Entleeren über die oberen Gabelstopfen. Dazu müssen das Vorderrad, der Kotflügel samt Stabilisator und die Bremszange(n) abgebaut werden. Nach Lösen der Klemmbacken an oberer und unterer Gabelbrücke können nun die Gabelholme nach unten rausgezogen werden.

Gabel oben öffnen, nacheinander Unterlegscheibe, Vorspannhülse, Gabelfeder entnehmen. Geöffnete Gabel umdrehen und das Gabelöl in einem geeigneten Gefäß (min. 1,5 ltr.) auffangen. Durch leichtes Pumpen werden auch die Restölmengen im unteren Teil des Tauchrohrs zuverlässig entfernt.

Zusammenbau

Die Gabelholme wieder einsetzen und mit frischem Gabelöl befüllen. Serienmässig sind die PD06 und die PD10 mit 549 cm³ je Holm Gabelöl 5W befüllt. Die RD10/RD11 mit 542 cm³ je Holm gleichen Öls. Bei Einbau von progressiven Gabelfedern unbedingt die Herstellerempfehlungen beachten. Zum Teil wird - je nach Hersteller und Modell - durch den Einbau von progressiven Federn die Verwendung der Vorspannhülse obsolet. Zumeist wird auch die Verwendung eines anderes Öls (meist 10W) empfohlen. Auch die Füllmengen bzw. die Angaben zum Luftpolster variieren je nach Anbieter. Also unbedingt die entsprechenden Einbauanleitungen gründlich durchlesen und danach verfahren! Gemessen wird bei eingeschobener Gabel ohne Federn und Hülsen! Nebenbei: die Verwendung progressiver Gabelfedern ist eintragungspflichtig.

Fahrwerksabstimmung

Sehr viel gibt die Transalp - verglichen mit modernen Supersportlern oder Hardenduros - an der Stelle leider nicht her. Dennoch können ein paar Parameter sehr wohl beeinflußt werden. Eine allgemein gültige Empfehlung kann es nicht geben, da jeder Fahrer anders gebaut ist, die Ansprüche ans Fahrwerk von komfortabel bis ultrahart zu unterschiedlich sind. Allgemein gilt aber:

Der Negativfederweg wird im wesentlichen durch die Verwendung von Vorspannhülsen beieinflußt. Grundsätzlich sollte der statische Negativfederweg - also die Längendifferenz zwischen voll ausgeschobener Gabel und durch das Eigengewicht der Maschine eingefederter Gabel bei ca. 30 - 35 mm liegen. Der dynamische Negativfederweg sollte maximal 1/3 des Federwegs der Maschine betragen. Bei der Transalp also 1/3 von 200 mm, also ca. 67 mm. Der dynamische Federweg ist die Längendifferenz zwischen vollausgefederte Gabel und durch Eigengewicht der Maschine + Fahrer eingefederter Gabel. Zur Messung empfiehlt es sich die obere Gabelbrücke und die Achse als Fixpunkt herzunehmen und die Länge zwischen diesen beiden Punkten in den drei beschriebenen Zuständen - a) voll ausgefedert (auf der o.g. Wasserkiste), b) auf den Rädern stehend (Negativfederweg statisch) und c) (einfacher mit einem zweiten Mann der mißt) mit Maschine auf den Rädern stehend und Fahrer draufsitzend - ermitteln.

Die Härte der Federung (Druckstufe) wird im Wesentlichen durch die Kennlinie der Gabelfeder bestimmt. In Nuancen ist zudem eine Abstimmung über die Ölmenge möglich. Eine noch so große Ölmenge kann eine zu schwach ausgelegte Feder niemals kompensieren! Faustregel: je größer die Ölmenge (entsprechend: je kleiner das verbleibende Luftpolster) umso härter wird die Gabel abgestimmt . Öl läßt sich ja weniger komprimieren als Luft (nehmt einfach mal eine Einwegspritze und füllt die einmal komplett mit Luft und einmal komplett mit Öl, haltet das untere Loch zu und versucht mal die Spritze zusammenzudrücken. Bei Luft ganz einfach, bei Öl unmöglich).

Einen weiteren Parameter liefert die Ölviskosität. Damit kann das Verhalten beim Ein- und Ausfedern (Zugstufendämpfung) beeinflußt werden. Faustregel hier: je höher die W-Zahl umso zäher das Öl, umso gedämpfter die Gabel.

Wer sich tiefer in die Materie der Fahrwerksabstimmung einlesen will, dem sei das Buch von Fahrwerksguru Benny Wilbers und M*T*RRAD Redakteur Mini Koch empfohlen. Zu beziehen direkt bei Technoflex. Um vernünftige Ergebnisse in der Abstimmung hin zubekommen, sollte immer nur ein Parameter verändert und Veränderungen akribisch notiert werden.

Im Prinzip gelten die o.g. Regeln auch für die Hinterradfederung. Dort sind jedoch in der Serie noch weniger Einstellmöglichkeiten am Federbein als an der Gabel vorhanden. Um's konkret zu benennen: außer dem Negativfederweg über die Veränderung der Vorspannung ist nichts einstellbar. Auch die immer wieder kolportierte Aussage: "... mehr Vorspannung macht das Fahrwerk härter..." ist Stammtischgefasel! Die Kennlinie der Feder ist immer noch die gleiche, auch wenn sie stärker zugedreht wird. Erst bei Zubehörfederbeinen besteht die Möglichkeit Zug- und Druckstufendämpfung zu manipulieren.

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