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Gut, das wir unser Zelt vorsorglich eingepackt
haben. Nach einigen kleinen Umwegen landen wir am Stausee Cuevas de las Niñas. Die dort
ausgewiesene "Zona Acampada" läßt sich am ehesten noch mit
"Picknick-Areal" übersetzen, "Zeltplatz" wäre zu viel gesagt:
Fliessend kalt Wasser, aufgemauerte Feuerstelle und Sitzgelegenheit - das war's. Für
alles übrige stehen die Gebüsche der näheren Umgebung zur freien Auswahl. Aber hier
oben in den Bergen gefällt's uns halt. Das Klima ist - im Vergleich zur Küste -
angenehm mild und für Touren rund um die Insel haben wir hier einen strategisch
günstigen Platz: 10 km Anfahrt nach Ayacata und von dort verzweigen sich die Straßen in
alle vier Himmelsrichtungen.
Nachdem wir mit allem notwendigen
versorgt sind, geht's nach Maspalomas um das "Goodie" des Urlaubs
einzusammeln: eine Transalp (hat irgendjemand geglaubt, wir könnten einen Urlaub ohne so
was verbringen? - Also!). Maspalomas selbst ist weißgott nichts sehenswertes. Hotel reiht
sich an Hotel, Bungalowsiedlung an Bungalowsiedlung und Einkaufscenter an Einkaufscenter.
Dazu noch die schwüle Luft, die uns - die aus der Kälte kamen - schlicht erdrückt - nur
raus hier! Bei Dieter's Bikeverleih gabeln wir unsere Alp auf. 94er Baujahr und -
"... ist halt `ne Miet-maschine, hat schon einiges gesehen..." - nicht gerade in
allerbestem Zustand. Gefahrene Entfernung und Geschwindigkeit heißt's schätzen, der
Tachoantrieb hat den Geist aufgegeben. Wie lange die 90.000 km wirklich zurückliegen,
weiß nur Dieter. Die Verkleidung vereinigt alle Kampfspuren, die denkbar sind auf sich
und das Design erinnert nur noch entfernt an die stolze schwarz-silberne Farbe bei der
Auslieferung. Die Mischbereifung mit Avon vorn und Dunlop hinten fährt sich geradeaus gut
- wie jeder Reifen. Nur in die Kurve mag die abstruse Mischung partout nicht ordentlich
einbiegen.
Schade eigentlich, denn wenn es etwas
gibt, was diese Insel als Moppedparadies ausmacht, dann sind es Kurven, Kurven und ...
Schotter! Zunächst mal starten wir eine Tour durch die Cumbre - dem Hochland. Die
Schluchten, auf gutspanisch: Barrancos, die von der Mitte der Insel bis zur Küste
reichen, sind durchaus von einer Dimension, das man sich mitten im wilden Westen fühlt.
Als erstes wollen wir zu den alten Kultstätten der Guanchen - der Ureinwohner der
Kanaren. Im Barranco de Guayadeque finden wir alte Höhlenwohnungen, die z.T. heute noch
bewohnt sind. Von dort führt eine schmale Piste (Qualität Zoncolan) bis hinauf zum Pico
de las Nieves - dem höchsten Berg Gran Canarias. Die Aussicht ist grandios, bis runter in
die Dünen von Maspalomas und rüber zum Roque Nublo dem auffälligsten Monolithen auf der
Insel.
Anderntags wollen wir den Nordwesten erkunden. Über Artenara fahren wir
durch eine enge Schlucht hinunter bis Puerto de San Nicolas. Die Straße ist abenteuerlich
in den Fels geschlagen und steht einer Alpentour in nichts nach! Keine 500 m gerade
Strecke lassen sich am Stück entdecken. Der Hafen von San Nicolas lädt uns mit seiner
beschaulichen Ruhe zu einer Rast von der Kurbelei ein. Wir sollten noch öfter hier sein.
Von San Nicolas geht's der Küste entlang bis nach Agaete. Grandiose 40 km klebt die
Straße an der steilen Küstenlinie und wir schweben fast eine Stunde lang zwischen Himmel
und Erde. Mehr als ein 40er Schnitt ist tatsächlich nicht drin - nicht auf dieser und auf
kaum einer anderen Straße. Agaete entpuppt sich als malerischer Ort mit engen Gassen und
einem kleinen Hafen, von dem die Fähre nach Teneriffa ablegt, in dem wir Mittag machen.
Auf dem Rückweg in die Berge werden
wir dann von einem Unwetter überrascht. Je höher wir fahren, um so düsterer wird es -
nicht schwarz, nein dunkelrot verfinstert sich die Sonne in einer Art
"Schlammsturm". Die rote Vulkanerde wird durch den Sturm hochgeschleudert und
vermischt sich mit der feuchten Luft. Eine irre Szenerie, die uns aber doch bedenklich
stimmt - steht unser Zelt noch? Oder dürfen wir nach Ankunft unsere Habe im Umkreis von
Kilometern einsammeln? Wir haben nicht einmal die Chance es rechtzeitig zu überprüfen.
Für die 20 km die uns noch von unserem Lager trennen brauchen wir mehr als zwei Stunden!
Schwein gehabt - es ist noch alles trocken und steht am rechten Platz. Dennoch, für die
folgende Nacht trauen wir unserem Mietwagen mehr Stabilität und Schutz zu, als unserem
Zelt.
Falscher Fehler, wie sich am anderen Morgen
herausstellt: der Renault Clio hat reichlich Wasser durch die Heckklappe gefaßt, das Zelt
steht wie eine Eins. Wir sammeln unsere Plünnen ein und starten wieder Richtung San
Nicolas, weniger der genialen Strecke wegen, als eines kleinen Hotels, das uns empfohlen
wurde. Und auch das Wetter entpuppt sich an der Küste als wesentlich beständiger als in
den Bergen. Bereits einen Tag später sitzen wir am Strand und trocknen unsere Plünnen in
der Sonne. Die Berge sind für uns erstmal gestorben. Wenn auch der Sturm nicht mehr tobt
- naß ist es dort allemal. So erkunden wir die Strände des Südens.
Einer der schönsten ist für uns der
Playa de Veneguera. Nicht nur wegen der 10 km Anfahrt über eine Schotterpiste mit
Dschungelqualität. Der Strand selbst wurde von Naturschützern vor der Besiedelung
gerettet und liegt nun völlig einsam da. Keine Pauschies, keine Busse, die Ruhe wird
bestenfalls einmal durch einen der vorbeikommenden und ankernden Segler etwas gestört.
Am Freitag ist Markt in Puerto de
Mogan. Also früh aufgestanden und die Straße nach Süden eingeschlagen. Puerto de Mogan
ist eigentlich - so wie auch Playa del Ingles oder Maspalomas künstlich und nur für die
Touristen entstanden. Dennoch ist es gelungen, ein wunderschönes südländisches Flair in
die unauffällige Architektur einzubauen. Und mitten im Markt kommt sogar ein Gefühl für
das nur 150 km entfernte Afrika auf - Elfenbeinschnitzereien werden von schwarzen
"Mummies" feilgeboten. Mindestens so echt, wie die anderen
"artesanals" - allesamt auf einen Kilometer Entfernung als "Made in
Hongkong" auszumachen. Egal, das Ambiente ist einfach unbeschreiblich und wir können
uns erst lösen, als die Invasion von Engländern, Skandinaviern und Deutschen, die aus
den umliegenden Touristenburgen angekachelt wurden, zu groß wird.
Tagsdrauf scheint sich auch das Wetter
in den Bergen wieder zu bessern. Der Wetterbericht der örtlichen Tageszeitung zeigt auch
in der Mitte der Insel die strahlende Sonne. Wir beschließen unser Glück in der Gegend
um Moya und Teror zu versuchen. Immerhin, das meiste Wasser kommt nicht vom Himmel,
sondern fließt in Kaskaden mitten durch Firgas, der - entgegen der meisten anderen Orte
auf Gran Canaria - über eigene Quellen verfügt und den Rest der Insel mit dem knappen
Wasser versorgt. Dennoch ist die Luft mehr als nur feucht - und schon gar nicht heiß, als
wir den Rückweg durch den Barranco del Laurel antreten, der komplett unter Naturschutz
steht. Steinalte Pflanzen, wie Eukalyptus-, Lorbeer- und Drachenbäume, stehen hier dicht
an dicht und die kleine asphaltierte Straße windet sich unaufdringlich durch diesen
Urwald - märchenhaft!
Unser Urlaub neigt sich langsam den
Ende zu. Wir haben alles auf der Insel gesehen - außer dem Roque Nublo. Der "Fels im
Nebel" hat bisher seinem Namen alle Ehre gemacht. Und so ist es nur logisch, das wir
am letzten Tag vor dem Abflug, als sich die Sonne über den Bergen festsetzt hinauf auf
den Nublo wollen. Vom Parkplatz aus sind es gut eine halbe Stunde Fußmarsch. Die
Belohnung folgt umgehend. Der Ausblick reicht fast rund um die Insel und weiter bis zum
benachbarten Teneriffa, wo der Teide - höchster Berg Spaniens - durch die Wolkendecke
spitzt.
Noch einmal das ganze Programm: Nach
den Bergen soll's auch noch Strand geben. So verlassen wir den Nublo und starten zum
Playa de Amadores - einem zwar künstlichen, aber wunderschönen Sandstrand. Und Gran
Canaria belohnt uns zum Abschied mit einem traumhaften Sonnenuntergang - wir sollen wohl
wiederkommen....
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