Das (bessere) Bordwerkzeug

Nein, das Geheimnis, wie man das Honda-Werkzeug richtig zusammenlegt, damit es wieder in die Box am Heckgepäckträger passt vermag auch ich nicht zu lüften ;-). Wenn man sich die Qualität des Honda-Werkzeugsatzes mal genau angeschaut hat, gibt es ehrlich gesagt auch keinen Grund das alles noch mal ordentlich zusammenzulegen und in die Kiste zu packen. Das meiste davon gehört einfach nur in die Tonne.

Bild 1. Original Werkzeugsatz

Tröstlich eigentlich nur: die Transalp ist so robust, das man das Werkzeug nur selten braucht. Und nicht wenige Transalp-Werkzeugsätze haben seit ihrer Fertigung nie wieder Tageslicht gesehen.

Erhaltenswert sind (Zahlen in Klammern beziehen sich auf Bild 2):

  • Der Zündkerzenschlüssel (8) - es gibt im Handel praktisch nichts, mit dem die tiefverbauten Zündkerzen der Transalp besser erreichbar sind, als mit dem Originalteil.
  • Die Ringschlüssel 17 und 24 zusammen mit der Verlängerung (9). Auch der 17er Ring ist zur Not entbehrlich, weil auch noch ein 17er Maulschlüssel dabei ist, aber leichter sind z.B. die Achsmuttern mit den Ringschlüsseln zu öffnen. Und ein vernünftiger 24er Schlüssel ist einfach nicht so hübsch zerlegbar. Nebenbei verfügt letzterer auch noch über die Speichenspanner. Auch die Qualität dieser Teile ist alles andere als berauschend und sobald ich was besseres gefunden hab, fliegt es bei mir raus.

Der ganze Rest, "Schraubenzieher" - man traut sich gar nicht das so zu nennen, Maul- und Ringschlüssel und die immer wieder für Erheiterung sorgende sog. "Zange", können getrost entsorgt werden.

Natürlich nicht ohne diese durch bessere Alternativen zu ersetzen:

Bei den Maulschlüsseln (2) empfiehlt sich ein Blick ins Mercedes (!) Bordwerkzeug. Dort finden sich sehr hochwertige Ausführungen eines 8er/10er und eines 14er/17er Maulschlüssels. Nachfrage beim Mercedesfahrer (wer von denen schraubt schon selbst?!), Gang zum Schrottplatz oder schlimmstenfalls zur Niederlassung mit dem Stern lohnen auf jeden Fall!

Vervollständigt wird der Maulschlüsselsatz durch einen handelsüblichen 12er/13er Schlüssel. Auch wenn Honda keine 13er Schrauben verbaut: schon beim ersten Stück Zubehör wie Kofferträger wird der 13er notwendig!

Die "Zange" hab' ich durch eine stabile Kombizange mit isoliertem Griff (1), wie sie sogar in Baumärkten in ordentlicher Ausführung verkauft wird, ersetzt. Alles ist hier besser als Honda.

Anstelle verschiedener Schraubenzieher hab' ich mir eine 1/4"-Verlängerung mit Griff (5) besorgt. Wahlweise lässt sich dieses Teil zusammen mit einem 1/4"-Bit-Adapter (3) als Schraubenzieher oder als Verlängerung für die 1/4" Ratsche (6) einsetzen, da am Kopf des Griffs eine entsprechende 1/4"-Aufnahme ist. Oder: wenn der Schraubenzieher alleine nicht greift, kann die Ratsche nachhelfen die vergriesknaddelte Schraube aufzubringen. Auf diesen Schraubenzieher, bzw. die Ratsche können mittels Bit-Adapter die Biteinsätze (7) Kreuz 1, 2 und 3, Schlitz 1, 2 und 3 sowie Innensechskant (Inbus) 3, 4, 5, 6 und 7 (weil ich halt auch solche Schrauben verbaut hab, ansonsten sind die Innensechskant entbehrlich) sowie die 1/4"-Nüsse 8, 10, 12, 13, 14 montiert werden. Für alle Fälle ist auch noch für schwerzugängliche Ecken ein 1/4"-Gelenk dabei (4).

Bild 2. Verbessertes Bordwerkzeug

Auch wenn ein 3/8"-Antrieb sicherlich stabiler und ab 12er Nüssen auch empfehlenswerter ist, um feste Schrauben zu knacken - die 1/4" Knarre ist besser als nichts und in Gewicht und Größe noch erträglich zu transportieren. Alle genannten Teile sollten sich entweder in einem hochwertigen Ratschenkasten finden oder sind einzeln im Werkzeugfachhandel oder z.T. sogar in gutsortierten Baumärkten zu finden.

Das guter Markenware auf jeden Fall der Vorzug zugeben ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Achtet z.B. drauf, das die Nüsse wirklich sechs- und nicht vieleckig sind. Nur darin liegen die Schraubenköpfe richtig an und werden beim auf- und zudrehen nicht rundgeschliffen.

Dazu gesellen sich in meiner Werkzeugrolle noch die universellen Kabelbinder (10) sowie ein kurzer durchsichtiger Schlauch, der beim Bremsenentlüften gute Dienste leistet.

Bild 3. Werkzeugrolle

Die Werkzeugrolle selbst gehört zu einer Bauchtasche von Mikesh (gibt's ganz ähnlich auch von UFO, Acerbis, ...) und kann dort hinein geklettet werden. Die Bauchtasche selbst bietet dann noch genügend Stauraum um z.B. kurze Montierhebel, Reifenflickzeug, Pumpe und Ersatzteile wie Brems- und Kupplungshebel aufzubewahren.

Bild 4. Die Werkzeugrolle kann in die Bauchtasche eingeklettet werden.

In zwei zusätzlichen Seitentaschen hab' ich außerdem noch Erste-Hilfe-Set (nicht nur an Moppeds kann was kaputt gehen) und Fotoapparat (richtige Reihenfolge beim Unfall beachten: erst Fotografieren, dann Mopped aufstellen, zuletzt den Fahrer nach seinem Befinden befragen ;-))) dabei.

Bild 5. Neben der Werkzeugrolle können in der Mitteltasche auch noch Ersatzteile Platz finden.

Wahlweise lässt sich eine solche kleine Werkzeugrolle, die zusammengerollt nur ca. 20 x 10 x 8 cm groß ist natürlich auch bequem im Tankrucksack, Topcase, Lenkertasche, einer kleinen Enduro-Hecktasche oder der Alubox unterbringen.

Bild 6. Die Seitentaschen nehmen Fotoapparat und Erste Hilfe-Set auf.

Mit dieser Ausrüstung kann man sich unterwegs schon sehr gut weiterhelfen. Typische Wartungsarbeiten wie Kettenspannen, Luftfilter reinigen, Bremsbeläge tauschen u.ä. können bequem damit erschlagen werden. Die allermeisten Sturzreparaturen (und sei es nur, einige Teile abzubauen) sind ebenfalls damit zu erledigen. Bis ins nächste Basislager, zur Werkstatt etc. kann man sich auf jeden Fall damit durchretten. Ich habe mir zwischenzeitlich einen Sport daraus gemacht auch sämtliche Reparaturarbeiten zu Hause erstmal mit dem Bordwerkzeug anzugehen. Erst wenn's gar nicht mehr weitergeht, kommt die große Kiste in Einsatz. Das schult sehr gut für den Ernstfall unterwegs.

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